• 13Aug
2013

Verwaltung und Planer arbeiten in Regensburg am Bebauungsplan für die Flächen westlich der Kumpfmühler Brücke. 2015 könnte die Erschließung beginnen.

Regensburg. Es klang schon etwas nach Binsenweisheit, was Oberbürgermeister Hans Schaidinger am Dienstag im Jahnstadion den versammelten Medien erklärte: Ziel einer guten Planung müsse sein, dass alle Komponenten wie Zahnräder ineinandergreifen. Und dennoch traf das Stadtoberhaupt den Nagel auf den Kopf, hatte er doch vorher ein schlüssiges Konzept für die städtebauliche Entwicklung im Inneren Westen präsentiert. Das Entwicklungsgebiet reicht entlang der Bahn von der Kumpfmühler Brücke bis zur Dechbettener Brücke und schließt auch das Gelände um den Regensburger Fußballtempel aus dem Jahr 1926 ein.

Wenn an der Prüfeninger Straße in zwei Jahren endgültig das Flutlicht ausgegangen und der Jahn in die neue Arena in Oberisling umgezogen ist, schließt sich mit der Bebauung des alten Stadiongeländes ein Kreis, der 2008 mit ersten städtebaulichen Planungen für das inzwischen unter dem Namen Dörnberg-Viertel bekannte Quartier begonnen hatte. Mittlerweile ist der Entwurf des Bebauungsplans so weit gediehen, dass im Oktober die Beteiligung der Bürger und der Fachbehörden starten kann. Geht alles seinen Gang, kann 2015 mit der Erschließung des 24 Hektar großen Kerngebiets begonnen werden.

Planung dauert schon fünf Jahre

Bis dahin war es dann allerdings ein langer Weg. Im August 2008 wurde die Ausarbeitung einer übergeordneten Rahmenplanung an eine Arbeitsgemeinschaft aus den Stadtplanern Pesch & Partner (Stuttgart), den Verkehrsplanern R+T Topp (Darmstadt) und den Landschaftsplanern WGF Landschaft GmbH (Nürnberg) vergeben. Um die ehemaligen Bahnbereiche bestmöglich in die bestehenden Strukturen einzubinden, umfasste das Untersuchungsgebiet auch die angrenzenden Bereiche und somit eine Fläche von rund 120 Hektar.

Die Rahmenplaner hatten zunächst drei verschiedene Nutzungsvarianten erarbeitet. Entscheidungsgrundlage für die favorisierte Variante waren die Erkenntnisse und Informationen aus den Bürgeranregungen, einem immobilienwirtschaftlichen Workshop, aus Gespräche mit den von den Planungen betroffenen Betrieben sowie der Auseinandersetzung der Fachstellen mit der Planung und den Gutachten.

Neu: Kreisverkehr und Feuerwehrhaus

In einem zweiten Schritt hatte im März 2011 die Aurelis Real Estate in enger Abstimmung mit der Stadt Regensburg einen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Planungswettbewerb ausgelobt. Sieben Architekturbüros aus Deutschland und der Schweiz waren eingeladen, ein Konzept für das insgesamt 29 Hektar große Gelände vorzustellen. Aufgabenstellung war es, die von Pesch & Partner erarbeitete Rahmenplanung für den sogenannten „Inneren Westen“ weiterzuentwickeln. Der Entwurf der ersten Preisträger (Ammann Albers StadtWerke GmbH und Schweingruber Zulauf Landschaftsarchitekten aus Zürich) bildete die Grundlage für die nachfolgenden Bauleitplanverfahren.

Auf der Grundlage des Siegerentwurfs wurde der für das Gebiet geltende Flächennutzungsplan an die neue Entwicklung angepasst und ein Bebauungsplanentwurf aufgestellt. Die neueste Version, die am Dienstag der versammelten Journaille bei einer Informationsfahrt erläutert wurde, enthält jetzt auch einen Kreisverkehr in der Dechbettener Straße und den Standort für ein neues Feuerwehrgerätehaus für den Löschzug Altstadt unmittelbar neben der südlichen Rampe der neuen Klenzebrücke. Neu in den Überlegungen ist ferner ein eigener Bahnhaltepunkt für das Viertel, das ansonsten mit öffentlichen Bussen, die durch die Ladehofstraße fahren sollen, an das ÖPNV-Netz angebunden werden soll. Die Ladehofstraße soll als Haupterschließungsachse nach Westen bis zur Klenzebrücke verlängert und möglichst verkehrsberuhigt ausgebaut werden. Vorgesehen sind durchgängig Tempo 30 und ein Durchfahrtverbot für Lkw.

Das Dörnberg-Viertel ist nach dem Galgenberg-Viertel im Süden und dem Marina-Quartier/Zuckerfabrik im Osten das neueste große Entwicklungsgebiet in der Stadt. Es ist eines der wichtigsten städtebaulichen Projekte und dürfte schon aufgrund seiner zentrumsnahen Lage zu einem begehrten Filetstück für Bauträger und Wohnungssuchende werden.

Stadion-Gelände schon verplant

Wenn dereinst bis zu 1800 Menschen in dem neuen Quartier wohnen, brauchen sie nicht nur interne Infrastruktur. Diese Überlegung spielte bei der Antwort auf die Frage eine Rolle, was aus dem Gelände des alten Jahnstadions werden soll. „Wir haben parallel zu den Planungen für den Stadion-Neubau überlegt, wie das Areal am sinnvollsten genutzt werden kann“, sagte OB Schaidinger vor Ort. Er verwies Gerüchte, wonach es in Sachen Verwertung des alten Stadions längst einen „Deal“ mit einem Bauträger gebe, erneut ins Reich der Fabel. „Wir denken zuerst an die öffentliche Infrastruktur“, machte Schaidinger deutlich, dass etwa eine neue Grundschule wichtiger sei als eine möglichst viel Gewinn bringende Wohnbebauung.

Zieht man die gesetzlich geltenden Abstandsflächen, das Grundstück für die neue Schule und die von der Brauerei Bischofshof dringend benötigten „Arrondierungsflächen“ ab, bleibt für den Wohnungsbau eine Fläche übrig, die in etwa der Größe des Stadions entspricht – ohne Umgriff, die heutigen Parkplätze und die verlegten Kleingärten. Die neue Grundschule, die laut Bürgermeister Gerhard Weber mindestens zweizügig, also mit acht Klassen, geplant werde, nimmt auf dem Plan gut die Hälfte des jetzigen Spielfelds ein.

Der Rest geht an den Meistbietenden

Mit der Vorstellung der Pläne für das Jahn-Areal entkräftete das Stadtoberhaupt ein weiteres Gerücht, das besagt, mit den Einnahmen durch den Verkauf könne ein großer Teil der Investitionen für die neue Arena in Oberisling gestemmt werden. Richtig sei, dass eine Wohnbaufläche übrigbleibe, die an den Meistbietenden verkauft werden kann. Die Grundschule nebenan gebe es aber auch nicht zum Nulltarif.

Norbert Lösch
Mittelbayerische Zeitung, 08.08.2013